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«Eine Methode entwickeln, die jeder Mensch für sich selber anwenden kann»

May 17, 2026

Wie nachhaltig wirkt «Der Ruf der Seele»? Wie gestaltet sich eine Zusammenarbeit in einem psychotherapeutischen Setting? Um Antworten zu erhalten, hat Rolf Mühlemann seine Therapiemethode in der Praxis eines Psychologen angewendet. An der Studie nahmen acht Patient*innen teil, die jeweils nach einer Therapiesitzung mündlich und danach auch noch mittels eines strukturierten Fragebogens Feedback gegeben haben.

Was war das Ziel der Studie?

Rolf Mühlemann: Mir war es wichtig, die Methodik «Der Ruf der Seele» greifbarer zu machen. Wir haben das zum einen erreicht, indem der Psychologe bei allen Therapiestunden anwesend war und sich auch mit mir ausgetauscht hat. Zum anderen haben wir Feedbacks der Teilnehmenden erhalten und können so ihre Entwicklung im Ablauf von vier Therapiestunden nachverfolgen. Wir wollten ein strukturiertes Vorgehen wählen, damit Vergleichbarkeit entsteht und wir Tendenzen und eventuelle Mängel erkennen können.

 

Was ist dir während des Projekts aufgefallen?

Verschiedenes! Zum einen ist mir im Gespräch mit dem Psychologen klar geworden, dass «Der Ruf der Seele» keine Wellness-Therapie ist. Man kann sich nicht berieseln lassen. Die Therapie wirkt, wenn man seine Situation wirklich verbessern will.

Interessant war auch der hohe Grad an individuellem Erleben. Die Methode bleibt in jeder Anwendung zwar sehr ähnlich. Aber das Erleben ist höchst unterschiedlich und sehr individuell.

Gleich blieb, mit Ausnahme von Teilnehmenden, die nicht das ganze Programm absolviert haben, dass das Engagement der Teilnehmenden im Lauf des Projekts zugenommen hat und die Gespräche immer fruchtbarer wurden.

«Der Ruf der Seele» geht ja von einer Basisarbeit während vier Stunden aus. Hat sich das bewährt?

Das kann ich klar bejahen. Themen werden in diesen vier Sitzungen klarer, bewusster. Oft spüren die Patient*innen die Themen jedoch in einer sozusagen vernebelten Weise. Die vier Sitzungen legen eine Grundlage bzw. können auf spezifische Themen hindeuten, die weiter zu bearbeiten sind.

Es fühlt sich wie eine Öffnung an. Das aktive Hindurchschreiten bzw. offene Hinschauen, und Hinfühlen führt zu den nachhaltigsten Ergebnissen. Es scheint, dass die Bereitschaft der Patient*innen, an den Themen zu arbeiten, sehr relevant für die Verbesserung ist. Patienten, die aktiv mit den Themen weitergehen, profitieren mehr.

Spannend war auch zu sehen, dass die Patient*innen, die am meisten profitiert haben, zu Beginn eine grosse Verletzlichkeit gespürt haben. Jemand wollte sogar abbrechen.

Diese emotionale Offenheit erzeugte zuerst eine Verletzlichkeit, am Schluss aber sagten alle, dass es richtig war, trotzdem dabei zu bleiben und den gesamten Prozess zu erleben.

Ich habe ja die Teilnehmenden nicht ausgewählt, und nur eine Teilnehmerin habe ich persönlich gekannt. So war es für mich natürlich spannend zu sehen, dass diejenigen, die alle Sitzungen wahrgenommen haben, sagen, dass die Methode wirkt und sie weiterbringt. Aber grundsätzlich ist es für mich absolut ok, wenn jemand erkennt, dass die Methode für ihn oder sie nicht stimmt. Nach vier Sitzungen kann man das sicher gut beurteilen.

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Psychologen?
Die Zusammenarbeit war sehr fruchtbar, und ich habe wertvolles Feedback erhalten.

Für Patient*innen mit einer starken Traumatisierung, macht es Sinn, wenn sie psychotherapeutische Begleitung haben. Dies zur allfälligen Stabilisierung und Weiterbearbeitung. Das Hochkommen von traumatischen Gefühlen, kann zu Verunsicherung und Überforderung führen. So erkannte ich, dass meine klare, unverschnörkelte Sprache auf Patient*innen überflutend wirken kann. Eine therapeutische Übersetzung in ein ihnen bekanntes System kann hilfreich sein und mehr Sicherheit geben. Das Wertvolle an der Methode ist auch, dass auch ohne Information zum Thema und zu den Gefühlen eine wirksame Behandlung durchgeführt werden kann.

Was sind deine wichtigsten Erkenntnisse?

Zentral ist der Aufbau von Vertrauen. Da «Der Ruf der Seele» etwas ungewöhnlich abläuft, müssen die Patient*innen zum einen gut verstehen, was abläuft und spüren, dass sie sich in einem absolut sicheren Setting aufhalten.

Unabhängig von der Thematik und wie die Patienten mit den Themen umgegangen sind, kann ich heute sagen, dass bei allen eine Erleichterung eintrat. D.h. es erfolgte bei keiner der Patient*innen eine Art Retraumatisierung. Neue Themen können wiederum eine Herausforderung darstellen. Doch keine der Patient*innen, bei denen dies der Fall war, wollte in den alten Zustand zurück, da es sich nicht authentisch anfühlen würde. Die Patient*innen, die am meisten profitierten, berichteten, dass sie sich besser spüren würden und eine innere Befreiung stattgefunden hat.

Gibt es Anpassungen an der Methode «Der Ruf der Seele»? Hat sich zum Beispiel der Ablauf einer Sitzung verändert?

Ja, aber nicht nur seit diesem Projekt. Ich denke, der Ablauf ist flexibler geworden. Wenn zum Beispiel jemand nicht über sein Befinden oder seine Herausforderung sprechen will, dann geht das in Ordnung. Wichtig ist mir einfach, dass die Patient*innen sich gut aufgehoben fühlen. Im «Ruf der Seele» zählt ja eigentlich nur das Jetzt, der Moment, wo wir uns begegnen. Wir besprechen die Vergangenheit nur, wenn das die Patientin wünscht. Es gibt keine Analyse. Also müssen sowohl ich wie der Patient dazu bereit sein, ganz im Jetzt zu sein.

Eine Kombination von meinem Ansatz mit der Psychotherapie stellt auf jeden Fall eine Bereicherung dar. So kommt man schneller zu den im Unterbewusstsein vorhandenen Themen. Ich glaube, es ist sehr vielversprechend, die Methoden zu kombinieren. Zum einen das psychotherapeutische Setting, zum anderen «Der Ruf der Seele», der die Themen auszuleiten hilft und neue Erkenntnisse und Klarheit ins Bewusstsein bringt.

Aus institutionell-strukturellen Gründen (Krankenkassenanerkennung, Finanzierung) stellt eine solche Zusammenarbeit allerdings eine Herausforderung in der Umsetzung dar. An einer wissenschaftlichen Erklärung wird gearbeitet.

Was geschieht jetzt nach dieser Studie? Was sind deine Zukunftspläne?

Wir diskutieren darüber, ob es möglich ist, «Den Ruf der Seele» zu erweitern und zum Beispiel daraus eine Methode zu entwickeln, die Menschen für sich selber brauchen können.

Man müsste die Methode lernen und bei sich selber anwenden können. Wie kann ich mit meinem Unbewussten in Kontakt treten und Aspekte ausleiten, die mir schaden?

Da sind meines Erachtens sehr fruchtbare Ansätze vorhanden.

Vielleicht braucht es dafür auch spezifische Weiterbildungen. Vielleicht sollten wir alles aufschreiben. Darüber sprechen wir im Moment gerade und eine Information in einem Newsletter wird kommen.

Was motiviert dich?

Es sind eigentlich immer wieder ganz konkrete Erlebnisse des Fortschritts. Wir erleben immer wieder, dass man nicht alle Herausforderungen und Probleme mit Gesprächen lösen kann. Aktuell betreue ich ein Kind, und schon nach dem ersten Treffen reagierte es mit starken Verbesserungen. Ich habe viele sehr positive Ergebnisse und das gibt mir viel Motivation dafür, diese Arbeit weiter zu führen und zu verbessern.

«Der Ruf der Seele» ist ja eine Individualtherapie. Sie befasst sich mit dem einzelnen Menschen. Genügt das?

Da gibt es zwei Antworten. Die erste lautet ja. Wer leidet, soll nicht mehr leiden müssen. «Der Ruf der Seele» hilft dabei und schenkt neue Freiheit, Unbeschwertheit und die Energie dafür, das Leben neu zu gestalten.

Die zweite Antwort lautet: Ich denke, wir sollten den Sinn des Lebens noch stärker mit einbeziehen. Mir wird immer klarer, dass es nicht nur um Körperarbeit gehen sollte, sondern dass die Patient*innen auch noch besser verstehen sollten, welche Energien und Kräfte von Aussen auf sie einwirken. Ich kann das auch als eine Erkenntnis dieser Studie mitnehmen: das Verständnis für «Den Ruf der Seele» ist grösser geworden, bedeutsamer.

Ich möchte den Ansatz so weiterentwickeln, dass der Sinn und die Aufgabe des Lebens und des Körpers neu betrachtet und Fragen dazu beantwortet werden.

Die Fragen stellte Matthias Müller. Bild: Mesut çiçen, unsplash